
Die Themen “Fähigkeiten”, “Vertrauen in Fähigkeiten”, “Gefühle zum Lernen” werden bei biographischen Reflexionen oft angesprochen. Mit diesem Blogartikel und Thema sollen diese Themen in den Fokus gerückt werden, vielleicht findet ihr auch Antworten auf Fragen aus euerer Biographie oder andere Denkanstöße.
Die von Studierenden produzierten Texte zum Thema “Philosophie des Lernens” würden sich immer sehr gut als Forschungsmaterial für eine Dokumentenanalyse eignen. Dafür müsste jedoch von jedem Studierenden die Einverständniserklärung eingeholt werden, erst dann wäre es möglich, diese Dokumente als Forschungsmaterial zu verwenden, da es sich nicht um öffentliche Dokumente handelt. Diese können auch ohne Einverständniserklärung analysiert und beforscht werden. Dokumente eignen sich für die Forschung zum Thema “Lernen” insbesondere auch deswegen, weil sie in Bezug auf Kinder häufig in großen Mengen vorliegen: Beobachtungen, Tests, Zeugnisse, Briefe von Lehrer*innen, Förderpläne, Gutachten, etc. Die Perspektive von Kindern zu diesen Prozessen kommt darin oft nicht vor, hierzu bieten sich dann Interviews oder andere Formen der partizipativen Forschung mit Kindern an. All diese Zugänge lassen sich in einer Einzelfallanalyse eines Kindes umsetzen. Solche Einzelfallanalysen (möglich auch als Bachelorarbeit) können ganz neue vertiefte Erkenntnisse bringen, die von größerer Relevanz häufig sind. Kommen wir nun zum heutigen Thema.
Konstruktionen von Intelligenz und Intelligenztests
Insbesondere in Schul- und Hochschulkontexten wird, wenn es um die Betrachtung von Notenspiegeln und die Einschätzung von “Begabungen” von Schüler*innen geht, auf die so genannte Gaußche Normalverteilung als Orientierung für die Vergabe und die Einschätzung von Noten verwiesen. Damit soll bewiesen sein, dass ein Notenspiegel ein ausgewogenes Verhältnis von Noten zwischen 1 und 6 zwangsläufig haben muss. Wenn ein Notenspiegel lediglich die Note 1 abbildet oder nur Noten im Bereich von 1 und 2, dann, so wird unterstellt, bildet dieser nicht die Realität ab. Entweder, so wird behauptet, bewerten die Dozent*innen zu gut oder die Studierenden haben sich Vorteile verschafft. Die mathematische Theorie der Gaußchen Normalverteilung ist in den Bewertungs- und Begabungsansätzen im Bildungssytem nach wie vor eine dominante Theorie und ist der Idee von Intelligenzmessung unterlegt.
Intelligenztheorien liegen faktisch allen Bewertungs- und Auslesesystemen der Gesellschaft zugrunde, wenn es um Bildung und Förderung von Bildung geht. Die Entscheidung, ob ein Kind eine Förderschule besuchen soll, unterliegt Intelligenztests. Die Frage, ob bei einem Kind ADHS diagnostiziert wird, unterliegt Intelligenztests. Die Frage, ob ein Kind als “hochbegabt” oder – konsequent gedacht – als “normal” oder “weniger begabt” gedacht wird, unterliegt im Bildungssystem Intelligenztests. Intelligenztests kommen darüber hinaus auch in Einstellungstests vor oder im Strafrecht zur Anwendung, wenn Eignung oder Schuldfähigkeit fest gestellt werden sollen. Intelligenztheorien und Intelligenzdiagnostik sind also tief verankerter Bestandteil des Bildungssytems und der Gesellschaft.
Intelligenztests und Intelligenzdiagnostik sollen Intelligenz messen. Um solche Tests überhaupt zu konstruieren, braucht es einen Begriff von Intelligenz. Wie ist also Intelligenz konstruiert, damit sie gemessen werden kann? Hier taucht das erste Problem auf: Intelligenz, die gemessen werden soll, muss von vorneherein als eine messbare gedacht werden, kann also dann gar nicht mehr anders konstruiert werden. Intelligenz wird in Intelligenztests vor allem als die Fähigkeit gedacht, komplexe, mit logischen Anforderungen oder mit Gedächtnisanforderungen verbundene Aufgaben SCHNELL zu lösen, das heißt in vorgegebenen Zeitfenstern. Je langsamer oder verträumter oder in andere Richtungen denkend insgesamt die Aufgaben gelöst werden, desto weniger gut fallen die Intelligenztests aus. Auf diese einfache Formel lassen sich die Grundgedanken von Intelligenztests tatsächlich bringen. Intelligenztests, ihre Durchführung, Auswertung, Validierung und Beforschung sind mit quantitativer Forschung und einem quantitativen Blick verbunden, in die konkreten Testverfahren sind sukzessive auch qualitative Elemente eingeflossen. Einen guten Überblick über die in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien eingesetzten Testverfahren gibt das Praxishandbuch von Wienand: Projektive Diagnostik bei Kindern, Jugendlichen und Familien.

Erweiterte Intelligenztheorien
Theorien, die in den 1970er und 1980er Jahren populär wurden, stellen bis heute die klassische Intelligenztheorie – und diagnostik in Frage. Cattells Theorie der kristallinen und fluiden Intelligenz, heute Bezugspunkt von Altersforschung und von Intelligenzdiagnostik bei Kindern und Jugendlicnen, macht eine Differenz zwischen genetischen Faktoren der Gehirnstrukturen und der Flexibiltät der Gehirnstrukturen, die durch Lernumgebungen in ständiger Bewegung sind und zu jedem Zeitpunkt Veränderungen provozieren. In ähnliche Richtung geht auch Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen, die nicht mit den klassischen Intelligenztests untersucht werden können, sondern zur Erfassung jeweils unterschiedliche Herangehensweisen erfordern. Hier können qualitative Forschung und qualitative Testelemente zum Tragen kommen. In konstruktivistische Lerntheorien sind beide Ansätze eingeflossen.
Fallbeispiel
Eine junge Frau erzählte mir von ihrer Diagnose und ihren Erfahrungen mit Intelligenzdiagnostik, die ihr den Status einer Förderschülerin einbrachten und den ausschließlichen Besuch von Förderschulen. Sie selbst möchte Abitur machen und studieren und sie sagt, dass das nicht möglich ist, weil es keine auf ihre Bedürfnisse ausgerichteten Angebote gibt. Sie interessiert sich für vieles, insbesondere für Gesetze und möchte gerne Rechtswissenschaft studieren. Auf meine Frage, was sie bräuchte, antwortet sie: Zeit, einfach nur genügend Zeit. Denn sie sagt, dass sie selbst merkt und weiß, dass sie viel Zeit braucht, um Informationen und Zusammenhänge zu prozessieren, dass sie Geduld und das Interesse hat, das zu tun und dann Dinge auch versteht, durchdringt und sich zutrauen würde, ein Studium zu absolvieren. Ähnliche Sichtweisen lernen Studierende in Praktika und bei Einzelfallanalysen von Kindern mit Diagnosen kennen. Das Ergebnis ist oft, dass Zeit eine entscheidende Rolle spielt. Wenn diese gegeben wird, sehen die Ergebnisse oft genauso aus wie die der Kinder ohne Diagnosen.
Konstruktionen von Begabung
Ein Begriff, der häufig in Erziehungskontexten auftaucht, ist der Begriff des Talents und der Begabung. Aufgrund von Beobachtungen stellen Pädagog*innen Talente bei Kindern fest oder Eltern fördern ihre Kinder, weil sie denken, diese hätten Talent für etwas. In einer Vielzahl von neuen Studien zum Thema Talent wird vielmehr die Frage von Henne und Ei aufgeworfen. Was war zuerst da, Talent oder die Förderung von vermuteten Fähigkeiten, weil die Eltern diese bereits in ihren Berufen umgesetzt haben oder sie sich für ihre Kinder wünschen. Die Studien weisen eher darauf hin, dass die Förderung zuerst da war und die Zuschreibung „Talent“ daraus entstanden ist.
Fallbeispiel Hilary Hahn
Es lohnt sich, den Dokumentarfilm über die Welt berühmte Geigerin Hilary Hahn anzuschauen. Der Film geht der Entstehung und Entwicklung ihrer Karriere nach. In diesem Film kommt sie selbst ausführlich zu Wort sowie Lehrer*innen und Menschen, mit denen sie zusammen gearbeitet hat. Es fällt auf, dass sie selbst nie von Begabung oder Talent spricht und sich darüber überhaupt nicht definiert. Im Gegenteil, sie gibt einen tiefen und sehr interessanten Einblick darin, wie sie sich ihre Fähigkeiten erarbeitet hat und noch immer dabei ist, diese immer weiter zu entwickeln. Dabei fällt insbesondere ihre Fähigkeit auf, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen und neue Anregungen zu suchen. Ganz im Unterschied dazu konstruieren befragte Kolleg*innen und Lehrer*innen ihre Begabung und rücken diese in den Vordergrund der Erklärung ihrer Fähigkeiten. In dieser Konstrastierung wirken die Zuschreibungen von “Begabung” oder “Wunderkind“, wie sie auch in zahlreichen Artikeln und Interviews in Bezug auf die Musikerin immer wieder gemacht werden, plötzlich wie eine Abwertung der Leistungen von Hilary Hahn.
Konstruktionen von “Begabung“
Ziegler (2009; Text auf Moodle) stellt die Pluralität von Begabungstheorien vor. Begabung erscheint als eine Konstruktion von Wissenschaftler*innen, allerdings mit Konsequenzen für die pädagogische Praxis. Denn auf Begabungstheorien gründen sich Förderkonzepte ebenso wie Selektion, Exklusion wie Inklusion im Bildungsbereich.
Nach Ziegler haben Ideen über Talent, Begabung und Expert*innentum einige Gemeinsamkeiten. In diesen Ansätzen wird davon ausgegangen, dass es Menschen gibt, die in einem oder mehreren Gebieten mit ihren Leistungen herausragen, besonders erscheinen und sich von einer definierten Norm abheben. Diese ist ebenfalls konstruiert. Kein Mensch kann alles können, oder alles lernen. Jede Person hat Kompetenzen in bestimmten Bereichen, in anderen nicht. Offenbar beziehen sich Begabungszuschreibungen nicht auf alle gesellschaftlichen Bereiche: „Idiosynkratische Kunststücke oder Alltagshandlungen wie Wäsche waschen gelten dagegen landläufig nicht als Ausdruck besonderer Begabungen […]“ (Ziegler 2009, 938).
Als Referenzkriterien für die Feststellung von Begabung werden bestimmte Kriterien hergestellt, wie z.B.: außergewöhnliche, einmalige Leistungen wie Erfindungen; Altersvergleiche: mit drei Jahren exzellent rechnen können; intraindividuell: extreme Verbesserungen von Leistungen (z.B. Einstein war schlecht in der Schule, aber dann ein Genie). In einem Exkurs zur Geschichte von Begabungstheorien stellt Ziegler die Frage, woher das gesellschaftliche Bedürfnis nach herausgehobenen Fähigkeiten von Individuen eigentlich kommt. Die Antworten sind etwas vage: Sicherheit, Angst, Orientierungs-/Vorbildbedürfnis, Wahrheitsbedürfnis oder Bewertungsskalen, somit Ausgrenzungsbedürfnis, Selektionsbedürfnis, was auch mit Machtverhältnissen beschrieben werden könnte. Ziegler greift Aspekte auf, die in Untersuchungen von Colvin gezeigt werden. Talent existiert faktisch nicht, sondern ist eine „deliberate practice“, das heißt, eine sehr überlegte und bewusste Tätigkeit, eine kontinuierliche Praxis, Reflexion der Praxis, Üben, Verbessern, Verändern, Weiter entwickeln gehören dazu. Das lässt sich auf alle Gebiete anwenden. Oft schon beginnt dieses Training im Kindesalter. Später wird es dann als Talent rekonstruiert, obwohl Praxis es hervorgebracht hat: „Der Prozess der Expertisierung erfordert einen langen Zeitraum, typischerweise ca. 10 Jahre bzw. 10 000 Stunden deliberate practice.“ (Ziegler 2009, 942). Colvin zeige diese Prozesse an Beispielen wie Tiger Woods, Mozart und generiere aus der deliberate practice Hinweise für Teams oder Pädagog*innen, wie sie die Praxis in bestimmten Feldern bewusst weiter entwickeln können (Ziegler 2009).
Selbst wo Intelligenz als Vorhersageinstrument für schulische Leistungen gilt, wird zugegeben, dass dies allein nicht genügt. Auch dazu bedarf es immer eines Kontextes, der unterschiedliche Auswirkungen haben kann.
„Da in der Tat exzeptionelle Leistungen nur nach einer dauerhaften, sich über Jahre hinziehenden und teilweise sehr mühevollen Beschäftigung mit einer Domäne erzielt werden können, sind unter anderem ein hohes Maß an bereichsspezifischer Motivation […] und eine positive Haltung gegenüber Leistung […]. So sind auch in der Schule kaum außergewöhnliche Leistungen zu erzielen, wenn nicht eine entsprechende Lernhaltung und dauerhafter Fleiß gezeigt werden“
Ziegler 2009, 944
Ziegler stellt unterschiedliche Fördermaßnahmen für als begabt diagnostizierte oder identifizierte Kinder vor. Für mich schließen sich daran einige Fragen an: warum langweilen sich hochbegabte Kinder und Jugendliche, ist das nicht ein Widerspruch in sich, würden Hochbegabte sich nicht immer exzellent beschäftigen können, und sei es, indem sie anderen helfen? Müssten hochbegabte Kinder nicht gerade in den Feldern gefördert werden, in denen sie als nicht hoch begabt definiert wurden? Sollen Kinder in dem gefördert werden, was sie interessiert? Interessiert Kinder das, was sie gut können? Oder heißt es nicht oft gegenüber Kindern, gerade wenn sie etwas nicht können, aber gerne tun möchten: das ist nicht für dich geeignet, du kannst das nicht, du hast kein Talent oder du hast mehr Talent in … Deliberate Practice als Teil der Pädagogik könnte hilfreich sein, um Kindern in ihren Interessen zu fördern. Das Thema „Interesse“ und “gerne lernen” wird in der Begabungsforschung oft und auch im Artikel von Ziegler außer acht gelassen.
Aufgabe
Finde einen Intelligenztest und führe diesen (mit dir selbst) durch, zum Beispiel: https://iqtest.sueddeutsche.de. oder aus dem Repertoire der Hochschule. Reflektiere deine Erfahrungen und die Idee von Intelligenzmessungen. Diskutiere und vertiefe (=Recherche, Aufnahme von Aspekten aus weiterführender Literatur) ein Thema (zum Beispiel „deliberate practice“) aus dem Text von Ziegler (in Moodle) oder dem Blogartikel.
Nachdem ich einen schnellen IQ Test im Internet durchgeführt habe, kann ich sagen, dass er meiner Meinung nach nicht jede Ebene von Intelligenz erfassen konnte. In besagtem IQ Test wurde lediglich logisches Schlussfolgern und mathematisches Können abgefragt, was durchaus sinnvoll ist, mir aber nicht sehr weitreichend erscheint. Der Test war klar strukturiert und die Aufgabenstellungen simpel formuliert. Man konnte stets zwischen verschiedenen Antwortmöglichkeiten wählen und hatte zudem oben einen Timer laufen, welche die bisher verbrauchte Zeit anzeigte. Während des Tests fühlte ich mich stellenweise etwas verunsichert und überfordert. Dabei wurde mir bewusst, dass meine Stärken in vielen anderen Bereichen des Denkens liegen und weniger im rein logischen Denken, welches in diesem Test besonders im Fokus stand. Zu Beginn befürchtete ich, dass die ablaufende Zeit, die in der oberen Ecke angezeigt wurde, zusätzlichen Stress verursachen könnte. Stattdessen stellte sie sich jedoch als hilfreich heraus, da sie mir Orientierung bot und mir ermöglichte, mich strukturiert durch die Aufgaben zu arbeiten. Enttäuschend fand ich, dass ich das Ergebnis des IQ-Tests nicht einsehen konnte, ohne dafür 25 € zahlen zu müssen.
Nach Bearbeitung des Tests habe ich mir die Frage gestellt, welche Ebenen von Intelligenz es gibt und ob man diese überhaupt erfassen kann.
Außerdem stellt sich mir die Frage, wie solche IQ Test bei Kindern im Grundschul- bzw. Kita-Alter durchgeführt werden können, da ich das Gefühl hatte, die gestellten Aufgaben wären viel zu schwer für sie.
Im laufe meiner Recherche konnte ich herausfinden, dass die Bewertung von Intelligenz bei Kindern auf spielerische Weise erfolgt. Dafür werden Aufgaben zum Beispiel durch Bilder und Symbole dargestellt. Sie werden in verschiedenen Bereichen getestet, wie der Verarbeitungsgeschwindigkeit, des Arbeitsgedächtnises, und Schlussfolgerungsfähigkeit. Ein Test der das alles vereint ist der Hamburg-Wechsler-Intelligenz-Test (Petermann & Petermann, 2008).
Auch zum Thema „Intelligenzebenen“ konnte ich einiges herausfinden. Intelligenz beschreibt die Fähigkeit Informationen aufzunehmen und diese gezielt einzusetzen und gilt als eine einheitliche Persönlichkeitseigenschaft. Sie besteht aus einer Kombination grundlegender Fähigkeiten und umfasst soziale, emotionale, kognitive und auch praktische Kompetenzen (Funke & Vaterrodt, 2009). Intelligenz unterteilt sich demnach in verschiedene Teilbereiche, wie zum Beispiel die fluide und kristalline Intelligenz nach Raymond Cattell. Dabei umfasst die flüssige Intelligenz Rückschlüsse und spontanes Denken und die kristalline faktisches Wissen und logisches Denken. Aus dieser Theorie schließe ich, dass Intelligenz nicht anhand eines bestimmten Aufgabentypes messbar ist und IQ-Tests daher nur einen Ausschnitt von unserer Intelligenz abbilden können. Der IQ Test den ich durchgeführt habe, bezog sich fast ausschließlich auf die numerische Intelligenz. Diese wird zum Beispiel durch Rechenaufgaben oder Zahlenreihen getestet ( Katz, 2008).
Viele IQ Tests gehen scheinbar davon aus, dass Intelligenz in Zahlen oder Kategorien einteilbar ist. Doch wie im Blogartikel beschrieben, steht diese Vorstellung vor Herausforderungen. Intelligenz wird durch die Struktur des Tests bereits auf spezifische Fähigkeiten eingegrenzt, wie logisches Denken oder die Fähigkeit, Aufgaben schnell zu lösen. Andere Fähigkeiten, wie Geduld, Kreativität oder emotionale Aspekte, fallen dabei völlig heraus.
IQ-Tests sind meiner Meinung nach also sinnvoll, um kognitive Fähigkeiten zu messen, solange man beachtet, dass diese nie das gesamte Potential einer Person aufzeigen können. Diese Begrenzung von IQ-Tests auf spezifische Fähigkeiten warf bei mir die Frage auf, wie Begabungen und Potenziale tatsächlich entstehen und gefördert werden können. Hier knüpft die Theorie des deliberate practice an.
Sie verdeutlicht, dass besondere Begabungen nicht von Geburt an vorhanden sind, sondern aus gezielter und wiederholter Übung resultieren. Demnach lassen sich Begabungen durch Motivation und Förderung formen, was wiederum zentrale Fragen für meine praktische Arbeit als Fachkraft aufwirft.
Warum wurde früher in der Schule gesagt, man hätte einfach kein Talent für etwas, anstatt Interessen zu fördern?
Und sollten nicht auch ein Fokus auf dem Ausgleich von Schwächen liegen, anstatt immer nur Talente von Kindern zu beachten?
Für meine pädagogische Praxis bedeuten diese Erkenntnisse folgendes:
Anstatt Kinder strickt anhand ihrer IQ-Ergebnisse zu bewerten, sollte mehr Fokus auf individueller Förderung und Motivation liegen, wie auch das Prinzip der deliberate practice es beschreibt. Intelligenz lässt sich nicht ausschließen aus Rechnen, schreiben oder Schlussfolgern erschließen, weshalb pädagogische Fachkräfte auch Kreativität, Merkfähigkeit oder soziale und emotionale Stärke mehr wertschätzen sollten.
Quellen:
Katz, M. (2008). IQ tests. Haufe-Lexware.
Lohaus, A. & Vierhaus, M. (2013). Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters für Bachelor: Lesen, Hören, Lernen im Web. Springer-Verlag.
Petermann, F. & Petermann, U. (2008). HAWIK-IV. Kindheit und Entwicklung, 17 (2), 71–75.
Funke, J. & Vaterrodt, B. (2009). Was ist Intelligenz? C.H.Beck.
Persönlichkeitspsychologie. Emotionale intelligenz, Raymond Cattell-Modell, Kreativität. (2020). GRIN Verlag.
Nachdem ich den Blogeintrag zum Thema „Konstruktion von Intelligenz, Begabung, Talente“ gelesen habe, habe ich einen Intelligenztest absolviert.
Dabei stellte ich mir die Frage: Was ist ein Intelligenztest, und warum sollten wir ihn überhaupt messen?
Ein Intelligenztest ist ein psychologisches Verfahren zur Bestimmung der intellektuellen Leistungsfähigkeit. Dieser besteht aus einer Reihe von Problemaufgaben, die einer Person zur Bearbeitung vorgelegt werden. Die Ergebnisse werden mit normierten Werten verglichen, um die Position einer Person innerhalb einer Bezugsgruppe zu bestimmen. Daraus löst sich erkennen, dass nicht die Intelligenz an sich gemessen wird, sondern eine Einschätzung der kognitiven Leistungsfähigkeiten vorgenommen wird (Maier, 2018).
Zur Frage, warum ein Intelligenztest durchgeführt werden sollte: Ein Beispiel ist die Diagnose einer Lese-Rechtschreibstörung (LRS). Bei Kindern, die Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben zeigen, kann ein IQ-Test helfen, das Ausmaß der Probleme besser zu verstehen und somit auch eine passende Unterstützung zu finden. Zudem ist ein solcher Test wichtig für die Kostenübernahme einer Förderung. Zum Beispiel ist in vielen Bundesländern eine offizielle Bescheinigung der vorliegenden Diagnose durch das Jugendamt nötig (Fritzler, 2024).
Als Beispiel führe ich den HAWIK-III-Intelligenztest an. Dieser wurde speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt. Er prüft verschiedene Fähigkeiten, die in zwei Hauptbereiche unterteilt sind: den verbalen Teil und den Handlungsteil. Im verbalen Teil geht es um sprachliche Fähigkeiten, wie das Verstehen von Wörtern und das Erklären von Zusammenhängen. Im Handlungsteil werden Fähigkeiten überprüft, die weniger stark von der Sprache abhängen, wie das Erkennen von Mustern oder das Lösen von Aufgaben mit Materialien. Der Test dient dazu, zu erkennen, wie gut jemand in diesen unterschiedlichen Bereichen abschneidet (Schober, Dresel & Heller, 2005).
Im Allgemeinen setzt sich ein Intelligenztest aus logischen Fähigkeiten, Zahlenverständnis, Konzentrationsfähigkeit, Schulwissen und Allgemeinwissen zusammen (Bosley & Kasten, 2016).
Um selbst eine Erfahrung mit Intelligenztests zu machen, habe ich den IQ-Test von IQonline absolviert. Zu Beginn des Tests wurden mir sowohl meine Durchführungszeit als auch die Anzahl der Aufgaben deutlich kenntlich gemacht. Die Zeitbegrenzung diente in diesem Fall der Messung der schnellen Informationsverarbeitung und Problemlösung.
In meiner Erfahrung mit dem IQ-Test war ich eher enttäuscht. Der Test war zwar schnell zugänglich und hatte nur eine kurze Dauer von 20 Minuten, was auf den ersten Eindruck positiv war, da man schnell eine Berechnung des IQs erhält.
Ein großer Kritikpunkt war jedoch, dass die Aufgaben nicht in verschiedene Kategorien unterteilt waren. Viele Fragen wurden unter einer allgemeinen Kategorie zusammengefasst, was die Struktur des Tests recht unübersichtlich machte.
Ein weiterer Nachteil war, dass der Test stark analytisch geprägt war und vor allem auf Mustererkennung und mathematische Aufgaben setzte. Fast jede Frage drehte sich um logisches Denken, was zwar eine wichtige Fähigkeit ist, auf Dauer jedoch sehr eintönig wurde. Dadurch wurde der Eindruck vermittelt, dass der Test nicht wirklich alle Facetten der Intelligenz abdeckte.
Ein weiterer negativer Aspekt war, dass ich den Test nicht im Detail einsehen konnte, ohne dafür zu zahlen. Nach Abschluss des Tests erhielt ich keine vollständige Rückmeldung zu meinen Antworten oder zu meiner Leistung, ohne Geld investieren zu müssen. Insgesamt konnte man dadurch nicht wirklich nachvollziehen, wie die Ergebnisse zustande gekommen sind und welche Bereiche stärker oder schwächer ausgeprägt sind.
Es ist wichtig zu beachten, dass ein IQ-Test meist weder die emotionale noch die soziale Intelligenz misst. Dabei ist die emotionale Intelligenz gerade im persönlichen und beruflichen Kontext von großer Bedeutung. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Kommunikation, im Umgang mit Konflikten und in der Führung von Teams (Bosley & Kasten, 2016).
Ebenfalls muss man beachten, dass die Ergebnisse eines solchen Tests immer tagesabhängig sind. Ein Test misst also nicht nur die Intelligenz eines Menschen, sondern auch externe Faktoren wie Stress, persönliches Selbstvertrauen und Angst.
Meiner Meinung nach reicht ein IQ-Test allein nicht aus, um den gesamten Erfolg im Leben zu erklären. Es gibt noch weitere Faktoren und Intelligenzebenen, wie die emotionale Intelligenz, die ebenfalls eine hohe Bedeutung haben und unseren Erfolg im Leben beeinflussen.
Im Allgemeinen bin ich der Meinung, dass ein IQ-Test nur einen kleinen Teil unserer Fähigkeiten und unseres Potentials misst. Für den Erfolg im Leben sind viele andere Faktoren ebenfalls wichtig. Es ist entscheidend, den Wert dieser anderen Intelligenzen, wie der emotionalen und sozialen Intelligenz, ebenso zu erkennen und zu fördern.
Literatur:
Fritzler, N. J. (2024, 3. Oktober). IQ-Test & LRS-Testung: 3 fundamentale Fehlannahmen, die Du unbedingt kennen solltest! Förderimpuls.
Maier, G. W. (2018, 14. Februar). Intelligenztest. Gabler Wirtschaftslexikon.
Subklew, J. (2022, 3. Februar). Wie sinnvoll sind Online-Intelligenztests wirklich? quarks.de.
Schober, B., Dresel, M., & Heller, K. A. (2005). Der Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder – Dritte Auflage, 1999 (HAWIK-III). Report Psychologie, 30(11/12), 472-473.
Bosley, I. & Kasten E. (2016). Intelligenz testen und fördern. Ein Elternratgeber mit Übungsaufgaben für Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren. Springer
Der Blogartikel „Konstruktionen von Intelligenz – Begabung – Talent“ behandelt eine zentrale Frage, die mich ebenfalls schonmal beschäftigt hat: Wie wird Intelligenz in unserer Gesellschaft definiert, und welche Konsequenzen hat diese Definition für Bildungs- und Karrieremöglichkeiten?
Ich habe nun auch einen online IQ-Test ausprobiert, aber wirklich zufrieden war ich damit nicht. Schon zu Beginn setzte mich der Timer enorm unter Druck, was dazu führte, dass ich mich mehr auf die verbleibende Zeit als auf die Aufgaben konzentrierte. Hinzu kam, dass ich mich in meiner gewohnten Umgebung zu Hause oft schwer auf eine einzige Sache fokussieren kann. Während der rund 45-minütigen Testdauer wurde ich immer wieder durch Geräusche oder andere Ablenkungen unterbrochen, was sicherlich meine Leistung beeinflusst hat. Dadurch habe ich mich gefragt, inwiefern solche Tests wirklich eine verlässliche Messung meiner kognitiven Fähigkeiten bieten oder ob sie eher meine Fähigkeit testen, unter bestimmten Bedingungen schnell und konzentriert zu arbeiten.
An dem Artikel gefällt mir besonders, dass kritisch hinterfragt wird, ob Intelligenz tatsächlich eine angeborene Eigenschaft ist oder ob sie vielmehr durch Umweltfaktoren, Sozialisation und gezielte Förderung geprägt wird. Diese Reflexion ist wichtig, weil sie zeigt, dass Intelligenz nicht einfach ein objektives Maß ist, sondern durch gesellschaftliche Strukturen geformt wird.
Ein wichtiger Punkt ist die Rolle von Intelligenztests in Bildungsentscheidungen. Wie Bosley und Kasten (2016) betonen, sind solche Tests keine neutralen Instrumente, sondern messen vor allem bestimmte kognitive Fähigkeiten, die in schulischen und akademischen Kontexten als wichtig gelten. Andere Formen von Intelligenz, wie soziale Kompetenz oder kreative Problemlösungsstrategien, werden hingegen oft nicht berücksichtigt. Das führt dazu, dass vor allem Kinder aus bildungsnahen Haushalten bessere Voraussetzungen haben, während andere systematisch benachteiligt werden.
Asendorpf (2018) beschreibt , wie sich die Messmethoden für Intelligenz im Laufe der Zeit verändert haben. Ursprünglich ging es um alltagsnahe Aufgaben, doch mit der Einführung des Intelligenzquotienten (IQ) als Vergleichsmaßstab wurde die Definition zunehmend mathematisch-normiert. Es hebt hervor, dass diese Entwicklung zwar zu einer besseren Vorhersage von Schulleistungen führte, aber auch dazu beitrug, dass Intelligenz primär als kognitive Fähigkeit betrachtet wird – während emotionale oder soziale Intelligenz weitgehend ausgeklammert bleiben.
Auch die Frage nach der Konstruktion von Talent finde ich sehr spannend. Oft wird angenommen, Talent sei etwas Angeborenes – aber zahlreiche Studien zeigen, dass außergewöhnliche Leistungen meist das Ergebnis gezielter Förderung und intensiven Trainings sind. Das Münchner Hochbegabungsmodell hebt hervor, dass Begabung nicht nur von kognitiven Fähigkeiten abhängt, sondern auch von Umweltfaktoren wie familiärer Unterstützung und schulischer Förderung (Bosley & Kasten, 2016). Mich persönlich hatte auch noch interessiert, warum bestimmte Menschen als talentiert wahrgenommen werden und andere nicht. Denn wer als „begabt“ gilt, hängt oft weniger von individuellen Fähigkeiten ab als davon, wer Zugang zu Ressourcen und Förderung hat.
Besonders nachdenklich gemacht hat mich das Beispiel der jungen Frau, die aufgrund einer Diagnose in eine Förderschule eingestuft wurde und dadurch weniger Bildungschancen hatte. Dies zeigt, wie stark diagnostische Etiketten den Lebensweg prägen können. Wer früh als „lernbehindert“ oder „nicht begabt“ eingestuft wird, entwickelt schnell ein negatives Selbstbild, das sich langfristig auf die Motivation und die schulische Leistung auswirken kann.
Zusammenfassend finde ich, dass der Blogartikel ein sehr wichtiges Thema anspricht, da er zentrale Probleme der Intelligenzdiagnostik und Begabungszuschreibung thematisiert. Besonders die Kritik an der Normalverteilung als Bewertungsinstrument ist ein wichtiger Punkt, da sie zeigt, wie stark mathematische Modelle unser Verständnis von Leistung beeinflussen. Besonders spannend finde ich nun die Frage nach den gesellschaftlichen Mechanismen, die hinter diesen Konstruktionen stehen. Wer entscheidet eigentlich, wie Intelligenz definiert wird, und wer profitiert davon? Mich interessiert vor allem, warum das Bildungssystem weiterhin so stark auf standardisierte Intelligenztests setzt, obwohl längst bekannt ist, dass Intelligenz vielschichtiger ist, als diese Tests erfassen können. Warum wird immer noch an einer engen Messung festgehalten, anstatt alternative Ansätze stärker zu berücksichtigen? Ich frage mich, welche Möglichkeiten es gibt, ein flexibleres Konzept von Intelligenz zu entwickeln – eines, das individuelle Potenziale fördert, anstatt sie durch starre Testverfahren frühzeitig einzuschränken.
Literatur:
Asendorpf, J.B. (2018). IQ: Ein Quotient, der keiner mehr ist. In: Persönlichkeit: was uns ausmacht und warum. Springer, Berlin, Heidelberg.
Bosley, I., Kasten, E. (2016). Intelligenzbereiche und ihre Messung mit Tests. In: Intelligenz testen und fördern. Springer, Berlin, Heidelberg.
Bosley, I., Kasten, E. (2016). Schulische Leistung und Begabung. In: Intelligenz testen und fördern. Springer, Berlin, Heidelberg.