Diversitätssensibles und barrierefreies Lehren an der HSRW – Ein Interview mit Prof. Dr. Greveler

Von den anhaltenden kulturellen und medialen Veränderungen ist auch die Hochschule als Bildungsinstitution sowie das Lehren und Lernen generell herausgefordert. In dem Feld einer diversitätssensiblen Lehre im digitalen Zeitalter nimmt die Hochschule Rhein-Waal zunehmend eine Vorreiterrolle rein. So sind in den letzten Monaten zentrale Werke zum diversitätssensiblen E-Learning (E-Inclusion – Diversitätssensibler Einsatz digitaler Medien) sowie zur diversitätssensiblen Lehre erschienen (Praxishandbuch Habitussensibilität und Diversität in der Hochschullehre), bei denen Frau Heidkamp-Kergel vom E-Learning Zentrum als Mitherausgeberin sowie als Autorin mitgewirkt hat. Zudem hat die Hochschule Rhein-Waal eine zeitgemäße Diversitätsstrategie erarbeitet. Über diesen Prozess haben jüngst Tammy Brandenberg und Prof. Dr. Hauck den Artikel “Diversity und Change-Management – Auf dem Weg zu einer hochschulischen Diversity-Strategie” publiziert. Zudem arbeitet Prof. Dr. Greveler an der Realisierung einer barrierefreien Lehre.

Hierfür war Prof. Dr. Greveler so freundlich, uns ein Interview zu geben, dass Sie nun hier finden:  

Wie würden Sie jemandem barrierefreie Lehre erklären?

  • Barrierefreie Lehre berücksichtigt, dass es Studierende gibt, die aufgrund einer Behinderung oder Krankheit beim Studium, insbesondere bei der Rezeption von Lehrinhalten eingeschränkt sind. Um Chancengleichheit anzustreben, sollen daher möglichst viele Barrieren abgebaut werden, mit denen diese Studierende konfrontiert werden.

Warum ist barrierefreie Lehre wichtig?

  • Es ist unsere Aufgabe als Lehrende, allen Studierende gleiche Chancen auf einen erfolgreichen Studienverlauf zu bieten. Natürlich können wir nicht alle Faktoren beeinflussen, aber wenn wir die Möglichkeit haben, Barrieren abzubauen, sollten wir diese nutzen. Das ist einfach ein Gebot der Fairness.

Welche Tipps haben Sie für Lehrende, die gerne barrierefrei unterrichten möchten?

  • Hier würde ich gerne den Fokus auf die Materialien lenken, die wir im Rahmen der Lehre an die Studierenden verteilen. Es ist üblich geworden, dafür unsere digitale Lernplattform zu verwenden, was sehr zu begrüßen ist, denn das Hantieren mit Papierkopien und die reine Vermittlung über Tafelanschriebe, die wir teilweise noch aus der eigenen Schul- und Studienzeit kennen, erzeugte doch recht viele Transportverluste. Digitale Verfügbarkeit erleichtert bspw. kurzzeitig erkrankten Studierenden, verpassten Stoff nachzuarbeiten und  chronisch Kranken, ein eigenes Tempo oder gute Zeitpunkte beim Durcharbeiten zu finden. Für sehbehinderte Studierende ist es wichtig, wesentliche Informationen in textlicher Form vorzufinden. Für manche dieser Studierenden ist es wichtig, Grafiken stark vergrößern zu können, dann sollten es skalierbare Grafiken sein; andere benötigen Alternativtexte, weil Grafiken an sich eine Barriere darstellen. Wichtig ist das Bewusstsein, dass es überhaupt vermeidbare Barrieren gibt. Wer das im Hinterkopf hat, vermeidet unnötige Barrieren bei der Gestaltung von Lehrmaterialien wie bspw. die Verwendung eingescannter Texte als Grafik ohne textlichen Zugang.

Wie ist das Bewusstsein der Studierenden beim Thema Barrierefreiheit?

  • In den Informatikstudiengängen, in denen ich lehre, ist die Sensibilität für das Thema erfreulich hoch. Barrierefreies E-Government aber auch Usability und Barrierefreiheit in der Medieninformatik sind etablierte Themen. Einige unserer Informatik-Studierenden haben einen etwa jährlich stattfindenden „Accessathon“ ins Leben gerufen, bei dem an einem Wochenende gemeinsam nützliche Lösungen entwickelt werden, um das Leben mit jeder Art von Beeinträchtigung zu verbessern. Hier können wir Lehrenden von den engagierten Studierenden lernen, welche neuen Ideen es beim Thema Barrierefreiheit gibt!

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